Bunter Wind heißt für uns…

… dass Lichtenberg für gelebte Vielfalt von unterschiedlichen Identitäten und Lebensentwürfen steht. Jeder Mensch ist einzigartig, mündig und gleich in der Würde. Nur eine bunte Gesellschaft macht einen respektvollen, wertschätzenden, angst- und gewaltfreien Umgang miteinander möglich.

In Lichtenberg gibt es viele Projekte und Einrichtungen, die sich für Vielfalt einsetzen. Das interkulturelle Bildungszentrum (IKB) ist ein solches Projekt, das im Kiez die Begegnung von Anwohner_innen mit und ohne Migrationshintergrund ermöglicht und interkulturelle Bildungsangebote schafft. Lokale Firmen und Vereine unterstützen seit Jahren solche und ähnliche Projekte. So kooperiert der Eishockeyklub EHC Eisbären mit dem Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und die größte Lichtenberger Wohnungsbaugesellschaft fördert ein Jugendcafé im Bezirk.

Bunter Wind heißt für uns…

… dass jede_r die Möglichkeit haben sollte, den eigenen Lebensraum aktiv mitzugestalten. Jeder Mensch sollte grundsätzlich in der Lage sein, seine Persönlichkeit zu entfalten und an Entscheidungsprozessen zu partizipieren. Um Demokratie selbstbestimmt zu leben, benötigt der Mensch Begegnungsmöglichkeiten auf gleicher Augenhöhe.

Strukturen wie die Lokalen Aktionspläne, der Jugenddemokratiefonds sowie die Kiezfonds bieten die Möglichkeit, an bezirklichen Prozessen mitzuwirken und Unterstützung für eigene Ideen zu bekommen. In den vergangenen Jahren sind dabei viele Projekte entstanden, wie zum Beispiel die „Kinderkiezkarten“, bei deren Produktion sich Kinder mit ihrem Wohnumfeld auseinandersetzen und mit den erarbeiteten Karten Impulse in die bezirkliche Stadtplanung geben. Auch die Bürgerstiftung Lichtenberg will dem Gemeinwohl dienen, das Gemeinwesen der Region stärken und Kräfte der Innovation mobilisieren.

Bunter Wind heißt für uns…

… die Nutzung vielfältiger demokratischer Angebote. Das heißt in erster Linie das Wahrnehmen von demokratischen Angeboten und das aktive Einbringen der eigenen Möglichkeiten. Ein wichtiger Aspekt ist dabei der Austausch mit Menschen, die gleiche Interessen haben, sich vernetzen und zusammenschließen wollen.

Durch die aktive Arbeit in Vereinen, Sportklubs, Parteien, Schülervertretungen, Kirchengemeinden und Jugendinitiativen kann der Bezirk zusammen mit Anderen gestaltet werden. Dazu gehören auch das Engagement für den Tierpark oder das Trainieren von Kindern und Jugendlichen in den Lichtenberger Sportvereinen.
Auch die Teilnahme an öffentlichen Demonstrationen oder Putzrundgängen gegen rechtsextreme Propaganda ist eine Möglichkeit, öffentlich Stellung zu beziehen. Das „Lichtenberger Bündnis für Demokratie und Toleranz“ stellt eine Plattform dar, auf der solche und andere Aktionen geplant und organisiert werden.

Bunter Wind heißt für uns…

… auch Bewegung in der Demokratie. Wir verstehen Demokratie nicht als etwas Starres, Feststehendes, sondern als etwas Veränderbares. Demokratie lebt durch die Beteiligung von Bürger_innen. Durch die aktive Begleitung und Beteiligung an demokratischen Prozessen stärken wir demokratische Strukuren und helfen dabei, diese voranzutreiben.

Das bedeutet, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen oder auch, Verantwortung als Bürgerdeputierte_r in den Ausschüssen des Bezirksparlamentes zu übernehmen. In der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) gibt es eine Sprechstunde für Bürgerfragen. Bei Stadtspaziergängen, Sprechstunden und Kiezfesten besteht die Möglichkeit, mit Lokalpolitiker_innen ins Gespräch zu kommen. Mit Bürgerbegehren und Bürgerentscheiden lassen sich eigene Ideen und Vorschläge in die Politik einbringen.

Bunter Wind kennt …

… keine Grenzen. Wir wollen Menschen, die aus unmenschlichen und unsicheren Verhältnissen geflohen sind, mit unseren Möglichkeiten willkommen heißen und respektvoll behandeln.
Was uns eint, ist das Engagement gegen rassistische und diskriminierende Hetze sowie das Eintreten für Menschenrechte. Dabei stehen wir für eine Integration in die Kieze, am besten in Wohnungen. Bei einer Heimunterbringung der Geflüchteten ist ein enges Netzwerk mit dem Umfeld, den Nachbar_innen, Jugendklubs und Begegnungszentren wichtig. Die lokale Politik unterstützt die Geflüchteten und stellt sich politisch schützend vor sie, falls notwendig.

Die beiden Lichtenberger interkulturellen Gärten sind Orte, wo sich Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen und unterschiedlicher Herkunft über gemeinsame Projekte kennenlernen und ins Gespräch kommen. Zusammen mit Anwohner_innen und Bewohner_innen des Flüchtlingsheims in der Werneuchener Straße wurde eine „Tafel der guten Nachbarschaft“ organisiert, um zu zeigen, dass hilfsbedürftige Menschen im Bezirk willkommen sind. In Lichtenberg existieren darüber hinaus mehrere Migrant_innenorganisationen, die Kommunikationstrainings, Sprachmittler und Unterstützung für Behördengänge organisieren.

Bunter Wind heißt für uns…

… aktiv und entschlossen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung einzutreten. Wer andere Menschen wegen Aussehen, Hautfarbe, Sprache, Herkunft, Religion, sexueller Identität oder Lebensweise herabsetzt oder ausgrenzt, trifft hier auf unseren Widerstand.
Für Konflikte gibt es keine einfachen Lösungsmuster. Rassismus ist keine Antwort auf soziale oder andere Probleme. Die Würde aller Menschen ist unantastbar.

In Lichtenberg arbeiten viele Menschen in Projekten oder Einrichtungen, die sich aktiv gegen Diskriminierung und Ausgrenzung engagieren.
Das Netzwerk „JFE`s gegen Diskriminierungen“ spricht diese Themen an und versucht, gemeinsam in den Jugendfreizeiteinrichtungen mit Kindern und Jugendlichen diese Probleme zu bearbeiten. Seit vielen Jahren positionieren sich Politik, Zivilgesellschaft und Verwaltung gegen rechtsextreme Aktivitäten und Strukturen. Im Jahr 2008 konnte verhindert werden, dass ein Aufmarsch von Neonazis durch den Weitlingkiez laufen konnte. Seitdem wurden solche rechtsextremen Veranstaltungen kontinuierlich mit Protesten von Bürgerinnen und Bürgern begleitet.
Auch der Treffpunkt der Neonazis in der Lückstraße 58 war seit 2011 durchgängig Ziel von Anti-Nazi-Protesten. Es wurde ein „Bunter Wind“-Wettbewerb ins Leben gerufen, bei dem Anwohner_innen kreative Ideen für die Nachnutzung des Objekts einreichen konnten. Der Vermieter wurde bei seinem Versuch, die Neonazis zu kündigen bestärkt. Im Dezember 2013 wurde bekannt, dass die Rechtsextremen im Jahr 2014 ausziehen.

Lichtenberger Bündnis für Demokratie und Toleranz, 2014